Besuch der Heron Aufklärungsstaffel in Jagel

Liebe Freunde,

geht es um Drohnen und dies auch noch im Kontext Bundeswehr, verliert die mediale Betrachtung schnell eine distanzierte Sachlichkeit und schnell steht das Bild bewaffneter Einsätze und unschuldiger Opfer im Raum.

Peter Pasternak hat sich bemüht, für die Traditionsgemeinschaft Fliegerhorst Ahlhorn einen Besuchstermin beim AG 51 "Immelmann" in Jagel zu erreichen. Die Immelmänner fliegen als Aufklärer den Tornado (zur Zeit z.B. in der Türkei). Dem AG 51 (genauer gesagt: 2./TaktLwG51 "Immelmann") angegliedert ist die Aufklärungsdrohne Heron 1. Drohnen wie die Heron 1 gehören zu den UAVs (Unmanned Aerial Vehicle).

Am 9. Februar haben wir - Hermann Schulte, Willi Flerlage, Peter Pasternak, Wulf Bertinetti -  uns für den zweitägigen Besuch auf den Weg gemacht. Empfangen wurden wir von Jörg "Shorty" G. und Lutz G., die uns dann fachmännisch und gastfreundlich betreut haben.

Zu uns gesellte sich Siggi Meyer.

Am Nachmittag wurde uns die Heron 1 detailliert in einem hoch interessanten Vortrag vorgestellt.

Die Bundeswehr hat 4 Heron 1 über die EADS-Tochter Cassidian geleast. Cassidian ist auch für die technische Betreuung dieser israelischen Drohne zuständig.

Die Heron 1 hat eine Gesamtlänge von 8,47 m und eine Spannweite von   16,60 m. Als Antrieb dient ein Vierzylinder-Benzinmotor vom Typ Rotax 914 mit 115 Ps. Der Vortrieb wird über einen Schubpropeller gewährleistet. Die Geschwindigkeiten liegen zwischen 60 und 115 kn, die Dienstgipfelhöhe beträgt 30.000 ft und das maximale Startgewicht 1150 kg.

Nach Angaben unserer Gastgeber hat die Heron 1 aufgrund ihrer Spannweite nahezu Segelflugzeugeigenschaften.

Die Heron 1 gehört zur MALE (Medium Altitude, Long Endurance)-Klasse.

Die Drohne fliegt vollautomatisch und folgt einer vorprogrammierten Route. Die Überwachung der Route erfolgt durch den AVO (Air Vehicle Operator). An seiner Seite sitzt ein PO (Payload Operator), er steuert die in der schwenkbaren und kreiselstabilisierten MSOP (Multi-Mission Optronic Stabilized Payload) Sensorik und bewertet das gewonnene Bildmaterial.

Diese Darstellung ist natürlich sehr verkürzt, ich verzichte auf die Beschreibung möglicher Dienstwege zur Weiterbearbeitung gewonnener Erkenntnisse.

Die Steuerbefehle werden über über eine direkte Funkverbindung übertragen - hier ist eine direkte Sichtverbindung (Line of Sight, LoS) notwendig. Max. Reichweite 250 km. Eine zweite Möglichkeit der Steuerung ist über SatCom möglich, hier ist die Reichweite nahezu unbegrenzt.

Eigentlich muss es nicht betont werden: Die Heron1 fliegt unbewaffnet, sie dient der reinen Aufklärung. Und die Diskussion um mögliche Nachfolger, z.B. der Heron TP, die einer ganz anderen Größenklasse angehört und "bewaffenbar" ist, zeigt,  wie emotionsgeladen dieses Thema ist.

Nun zum "fliegenden Personal" der Heron 1: Der AVO muss ein Flugzeugführer mit gültiger Lizenz und IFR-Rating sein. Die Drohne ist für den Betrieb im öffentlichen und kontrollierten Luftraum zugelassen und der AVO hält die Sprechfunkverbindung zu ATC.

Und wieso nun Lutz und Shorty als AVOs?

Ich zitiere jetzt nur aus dem Kopf und hoffe, dass meine Darstellung richtig ist. Mit der Einführung der Heron 1 musste natürlich Personal, das den gesetzlichen Vorgaben entsprach, bereit gestellt werden. Die Gewinnung von Personal aus dem Jetbereich war wenig erfolgreich. Nun Hubschrauber Luftwaffe, nun UH-1D-Piloten. Die Lw hat ihre UH-1Ds an das Heer abgegeben. UH-1D-Piloten Lw, die nicht auf CH 53 oder H145 M umgeschult werden, sind "arbeitslos". Oder werden AVO für Heron 1.

Lutz und Shorty sind AVO, mit der Folge, dass sie da sind, wo die Heron 1 eingesetzt wird: In Mazar-e Sharif in Afghanistan. Und möglicherweise demnächst in Mali.

Schichtbetrieb in einer kleinen Kabine, in der es sehr laut ist. 4 Stunden AVO, 4 Stunden frei, 4 Stunden AVO usw. Die Heron 1 kann 25 Stunden lang fliegen …

Der AVO muss, wie zuvor gesagt, Flugzeugführer mit gültiger Lizenz sein. Um die Lizenz zu halten, müssen heutzutage noch 20 Flugstunden jährlich erbracht werden. Nun kommt das Dilemma: Beim Heer sind keine Kapazitäten frei, damit Lw-Piloten ihren Schein erhalten können!

Es zeichnet sich eine Lösung ab, die ich nicht kommentieren möchte: Lutz und Shorty werden wahrscheinlich in den USA auf Fläche umgeschult…

Wir fanden unsere "Einweisung" sehr spannend und waren auch überrascht, als man uns einen Einblick in Aufklärungsergebnisse gab.  Hier wurden unsere Gastgeber durch Stefan P., er ist PO, unterstützt.

Zum Abschluss hatte man noch eine Überraschung für uns parat: Wir werden demnächst in unserem Museum die Stabilizerbar einer UH-1D ausstellen können!

Am Abend gab es dann noch ein gemütliches Treffen in unserem Hotel. Überraschender Gast: Adi Ast, der in der Nähe wohnt.

Das Programm für den Vormittag des zweiten Tages bot ein weiteres Highlight: Den Besuch der Militär-Geschichtlichen Sammlung (MGS) des AG 51! Unter der engagierten Leitung von Hptm Möllerist hier eine ausgesprochen vielfältige wie vielseitige Sammlung aufgebaut worden, die den Bogen vom Namensgeber Max Immelmann bis zum heutigen Tage spannt. Unzählige Modelle nahezu aller Flugzeuge, die hier in Jagel jemals gelandet waren, werden ergänzt durch Fotos, Urkunden, Orden und weitere Ausstellungsstücke, die jedem Besucher einen umfassenden Einblick in die militär-geschichtliche Entwicklung des  Fliegerhorstes geben. Sogar eine Werft nennt Hptm Möller sein eigen - es bleibt bei der Vielzahl der Modelle nicht aus, das mitunter mit Hilfe von Sekundenkleber heilende Reparaturen anfallen …

Es war unsere einhellige Meinung, dass sich der weite Weg gelohnt hat. Wir haben einen Einblick in eine Thematik erhalten, die uns in dieser Tiefe unbekannt war.

Danke Lutz, danke Shorty!

Wulf